Vergleich
verschiedener Verfahren des Klärschlammaufschlusses
Vergleichende
Untersuchung mechanischer Aufschlußverfahren
Eine ganze Reihe von verschiedenen Geräten eignen sich
für die mechanische Klärschlammdesintegration. Im folgenden werden die
Verfahren in aller Kürze beschrieben.
Bei der
Rührwerkskugelmühle (RWKM) werden in einem Mahlraum befindliche Mahlkörper von 0,1 bis 2,0 mm
Durchmesser durch ein mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 8 bis 20 m/s
umlaufendes Rührwerk in Bewegung versetzt. Während des Durchgangs der
Suspension durch den Mahlraum werden die Mikroorganismen zwischen den
Mahlkugeln durch Druck- und Scherkräfte aufgeschlossen.
Bei den
Ultraschallhomogenisatoren/-desintegratoren
(UH) erzeugen piezokeramische Wandler eine hochfrequente Schwingung in der
zu behandelnden Flüssigkeit. Durch die periodische Verdichtung und Entspannung
des Mediums werden Kavitationsblasen hervorgerufen. Nach einer Wachstumsphase
fallen die Kavitationsblasen unter Einwirkung des äußeren Druckes zusammen. Bei
dieser Blasenimplosion treten lokal schnelle Flüssigkeitsströmungen, hohe Temperaturen
und hohe Drucke auf, die zum Aufschluß der Mikroorganismen führen.
Bei den
Hochdruckhomogenisatoren (HDH)
verdichtet eine Hochdruckpumpe die Suspension auf Drücke von mehreren hundert
bar. Die verdichtete Suspension wird durch ein Homogenisierventil auf den
Umgebungsdruck entspannt. Aufgrund der Kontinuität ergeben sich aus der
Druckabnahme hohe Flüssigkeitsgeschwindigkeiten von bis zu 300 m/s. Die dabei
entstehenden Kavitationsblasen kollabieren und induzieren energiereiche
Schubspannungsfelder, in denen die Zellen aufgeschlossen werden.
Bei der
Hochleistungspulstechnik (HLPT)
werden elektrische Durchschläge in flüssigen oder festen Materialien erzeugt.
Zwei Elektroden befinden sich in einer elektrisch schlecht leitenden
Flüssigkeit (Schlammsuspension) und sind mit einer gepulsten
Energieversorgungsanlage verbunden. Die Schlammpartikeln befindet sich in
kurzer Entfernung zum Elektrodensystem in der Flüssigkeit. Die elektrischen
Durchschläge erzeugen Druckwellen, die durch die Flüssigkeit zu den Schlammpartikeln
übertragen werden und diese durch Scherbeanspruchungen zerkleinern.
Bei der
Lysat-Zentrifugen-Technik (LYZT)
wird in eine Eindickzentrifuge eine Zone erhöhter Schlammscherung integriert.
Im Bereich des Schlammaustrages sind rotierende wie feststehende Metallplatten
angeordnet, zwischen denen der Schlamm durch Scherung beansprucht wird.
Weiterhin wird die aufgrund der Zentrifugenrotation vorhandene kinetische
Energie durch den Aufprall des Schlammes im Zentrifugenrahmen zur Zerkleinerung
ausgenutzt.
Beim Prallstrahlverfahren (PSV) wird eine
Suspension mittels einer Hochdruckpumpe auf Drücke von 20 bis über 100 bar
verdichtet und dann durch eine Düse entspannt. Nach dem Durchtritt durch die
Düse wird der Suspension im Freistrahl auf eine Prallplatte geführt, wo sie mit
hoher Geschwindigkeit auftrifft. Die Beanspruchung erfolgt sowohl durch
Kavitation im Bereich der Düse als auch durch die schlagartige Verzögerung auf
der Prallplatte.
Für Untersuchungen stehen folgende Geräte zur Verfügung:
Rührwerkskugelmühlen, Hochdruckhomogenisator, Ultraschallhomogensatoren,
Scherspalthomogensiator, Prallstrahlverfahren. Mit der Hochleistungspulstechnik
und der Lysat-Zentrifugen-Technik konnten im Rahmen von Forschungsprojekten
Erfahrungen gesammelt werden.
Ein Vergleich der verschiedenen Verfahren ist möglich
anhand der für den Aufschluß benötigten Energie, die auf die beanspruchte
Feststoffmasse bezogen wird (Espez). Als Parameter für den Grad der Zellzerstörung
kann der Aufschlußgrad herangezogen werden, der den Anteil aufgeschlossener
Mikroorganismen bezogen auf die gesamte Menge an Mikroorganismen angibt. Der
Aufschlußgrad kann bestimmt werden aus der Abnahme des
Sauerstoffzehrungsvermögens des Schlammes (AS) oder aus der
Freisetzung von organischen Bestandteilen, gemessen als CSB (ACSB).
In Abbildung 1 sind die mit fünf der vorgestellten Verfahren erreichten
Aufschlußgrade in Abhängigkeit von der spezifischen Energie dargestellt. Die
Lysat-Zentrifugen-Technik, die Hochleistungspulstechnik und - in Abhängigkeit
von den Betriebsparametern - auch die Rührwerkskugelmühle zeigen den geringsten
Energieverbrauch, der Ultraschallhomogenisator den höchsten. Hohe
Aufschlußgrade werden mit allen Verfahren mit Ausnahme der
Lysat-Zentrifugen-Technik erreicht.
Bei
der Auswahl des Desintegrationsgerätes sind sowohl energetische als auch
betriebstechnische Kriterien von Bedeutung. Zu Verstopfungen und anderen
Betriebsstörungen durch grobe und faserige Partikeln im Klärschlamm kann es am
Spalt des Homogenisierventils bzw. an der Mahlkörperabtrenneinrichtung der
Rührwerkskugelmühle kommen. Bei neueren Mühlentypen wird dies durch eine
Abtrennung der Mahlkörper im Zentrifugalfeld vermieden. Gegenüber Störstoffen
erweisen sich Rührwerkskugelmühlen insofern als unempfindlich, als diese
zusammen mit dem Schlamm im Mahlraum zerkleinert werden.

Abb. 1: Vergleich der
Aufschlußergebnisse verschiedener Geräte der mechanischen Desintegration
Geräteabhängig
sind unterschiedliche Komponenten einem erhöhten Verschleiß unterworfen. Da
noch keine langfristigen Betriebserfahrungen vorliegen, müssen die Erfahrungen
aus dem Technikumsbetrieb zugrunde gelegt werden. Beispielsweise kommt es bei
der Rührwerkskugelmühle zu einem Abrieb der Mahlkörper, bei den
Hochdruckhomogenisatoren erodieren die Homogenisierventile und eine erhöhte
Abnutzung der Dichtungen der Hochdruckpumpe ist zu beobachten, bei den
Ultraschallwandlern erodieren die Wandler, bei den Behandlungskammern der
Hochleistungspulstechnik kommt es zu einem Abbrand der Elektroden und in den
Lysat-Zentrifugen nutzen sich die Metall-Scherplatten ab. Die Kosten für
Verschleißteile und den damit verbundenen Personalaufwand scheinen einen nicht
unerheblichen Teil der Gesamtkosten des Behandlungsverfahrens auszumachen. Hier
sind die Gerätehersteller aufgefordert, durch eine Optimierung der
entsprechenden Komponenten zu einer Verringerung der Betriebskosten
beizutragen.
Vergleich mechanischer,
thermischer und chemischer Desintegrationsverfahren
Neben
biologischen und anderen physikalischen Verfahren eignen sich für die
Desintegration besonders:
·
Mechanische Verfahren (Mühlen, Homogenisatoren u.a.)
·
Thermische Verfahren (Wärmebehandlung u.a.)
·
Chemische Verfahren (Ozonbehandlung u.a.)
Ein
Vergleich der verschiedenen Desintegrationsverfahren läßt sich anhand der
erreichten Freisetzung an CSB und der eingesetzten spezifischen Energie
vornehmen. In Abbildung 2 sind zwei mechanische Verfahren verglichen mit der
Ozonbehandlung und der thermischen Behandlung. Mit den mechanischen Verfahren
und der Ozonbehandlung lassen sich bei relativ geringen Energieeinträgen
mittlere Aufschlußgrade erreichen, wobei sich besonders für die
Rührwerkskugelmühle Vorteile ergeben. Die thermische Behandlung benötigt zwar
deutlich mehr Energie, aber hierbei handelt es sich um thermische Energie, die
häufig zu erheblich günstigeren Preisen zur Verfügung steht als die für die
anderen Verfahren notwendige elektrische Energie. Weiterhin ist zu erkennen,
daß sich mit der Ozonbehandlung die höchsten Freisetzungsgrade der organischen
Substanz erreichen lassen. Bei der Berechnung der Energien unberücksichtigt
blieben bei den mechanischen Verfahren die Verluste durch Reibung u.ä., die
jedoch nur einen geringen Anteil am Gesamtenergieverbrauch haben. Bei der
Ozonisierung wurde mit einer hundertprozentigen Ausnutzung des Ozons gerechnet,
was allerdings mit den heutigen Anlagen bei weitem noch nicht erreicht wird.

Abb.
2: Vergleich von mechanischen,
thermischen und chemischen Aufschlußverfahren