Verbesserung
des anaeroben Abbauverhaltens
Eine
Verbesserung des anaeroben Abbauverhaltens wird vornehmlich durch den Aufschluß
des Überschußschlammes erreicht, da sich in diesem viele Bakterien befinden,
die einem anaeroben Abbau nur schwer zugänglich sind. Durch die Desintegration
werden diese Mikroorganismen aufgeschlossen, was zu einem beschleunigten und
weitergehenden Abbau führt. Ein weitergehender Abbau wird auch erreicht durch
eine Desintegration des Faulschlammes, die im Umwälzkreislauf eines Faulbehälters
oder zwischen zwei in Reihe geschalteten Behältern erfolgen kann. Der Aufschluß
des Primärschlammes erweist sich dagegen als weniger sinnvoll, da dessen
organische Bestandteile bereits sehr gut biologisch verfügbar sind.
Die
genannten Zusammenhänge werden noch einmal deutlich, wenn man Abbauergebnisse
verschiedener mechanisch desintegrierter Schlammarten vergleicht (Abb. 1). Für
den Primärschlamm ergeben sich hohe Abbaugrade, die durch die Desintegration
kaum zu verbessern sind. Dagegen sind die Steigerungen für den Überschußschlamm
deutlich zu erkennen. Die Unterschiede zwischen desintegriertem und
unbehandeltem Schlamm werden bei höheren Fauldauern immer geringer, da dann die
biologische Hydrolyse ebenfalls zu einem weitgehenden Aufschluß der organischen
Substanz führt. Die Abbaugrade der Faulschlämme liegen sehr niedrig, was auf
den vorangegangenen anaeroben Abbau zurückzuführen ist. Hier lassen sich durch
die Desintegration erhebliche prozentuale Abbaugradsteigerungen erreichen,
wobei der Gasanfall aber relativ gering ist.

Abb. 1:
Einfluß der Desintegration auf das Faulverhalten verschiedener Schlammarten
Zur
thermischen Schlammvorbehandlung wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche
Untersuchungen durchgeführt. Sehr umfassend hat sich Pinnekamp mit einer
thermischen Vorbehandlung von Klärschlämmen bei Temperaturen von 120 bis 220 °C
beschäftigt. Die erreichbaren Gasertragssteigerungen hängen vom Grad des
biologischen Vorabbaus ab. Bei Schlämmen aus hoch belasteten Belebungsanlagen
und bei Primärschlämmen werden maximale Steigerungsraten gegenüber
unbehandelten Schlämmen von lediglich 20 % gefunden, dagegen bis zu 270 % bei
Faulschlämmen. Auswirkungen auf die Partikelgrößenverteilung oder das
Entwässerungsverhalten der ausgefaulten Schlämme werden nicht festgestellt.
Temperaturen von 135 bis 180 °C werden als optimal für eine thermische
Vorbehandlung angesehen. Die Einwirkzeit ist von untergeordneter Bedeutung.
Vorbehandlungstemperaturen von über 200 °C führen zu einem Rückgang des
Gasertrages, was durch Maillard-Reaktionen erklärt wird. Bei der
Maillard-Reaktion reagieren reduzierte Zucker und Aminosäuren zu schwer
abbaubaren oder sogar hemmend wirkenden Melanoiden. Bei diesen handelt es sich
um braungefärbte, stickstoffhaltige, polymere Substanzen, die in ihrer
Löslichkeit und der Elementaranalyse nach weitgehend den Huminsäuren gleichen.
Diese mögliche Bildung schwerabbaubarer Verbindungen, die mögliche Bildung von
Dioxinen und die Geruchsentwicklung, die von thermisch behandelten Schlämmen ausgehen
kann, haben bislang einer weiteren Verbreitung dieses Verfahrens im Wege
gestanden. Aktuelle Entwicklungen verschiedener Firmen müssen zeigen, ob diese
Probleme zufriedenstellend gelöst werden können.
Auch
durch eine Desintegration mit Ozon läßt sich das Faulverhalten von Schlämmen
verbessern [Scheminski et al.]. Besonders sinnvoll erscheint der Einsatz bei
Faulschlämmen, die ohne die Ozonbehandlung nur mehr ein geringes
Restgaspotential aufweisen. Die Gasausbeute nimmt mit steigendem Aufschlußgrad deutlich
zu, da sich mit der Ozonbehandlung hohe Freisetzungsgrade der organischen
Substanz erreichen lassen. Die guten Abbaugrade nach der Ozonbehandlung werden
aber erst nach einer Adaptationsphase der aktiven anaeroben Biomasse an das
Substrat erreicht.
Der Einsatz
von Enzymen zur Verbesserung der anaeroben Schlammstabilisierung wird immer
wieder diskutiert. Es wurde u.a. berichtet über den Einsatz von Enzymen bei der
anaeroben Schlammstabilisierung auf den Kläranlagen Gießen und Aachen-Soers.
Durch den Zusatz eines nicht näher spezifizierten Enzymcocktails mit einer
Dosiermenge von 400 bis 600 mg/kg oTR konnte der Abbaugrad um 8 bis 13 %
gesteigert werden, wobei die höchsten angegebenen Abbaugrade bei 55 % liegen.
Eine Validierung dieser Ergebnisse bleibt abzuwarten.